Saudi-Arabien

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Sau|di-Ara|bi|en; -s:
Staat auf der Arabischen Halbinsel.

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Saudi-Arabi|en,
 
 
 
Fläche: 2,24 Mio. km2
 
Einwohner: (2000) 21,7 Mio.
 
 
Amtssprache: Arabisch
 
 
Währung: 1 Saudi Riyal (S. Rl.) = 20 Qirshes
 
Zeitzone: 1400 Riad = 1200 MEZ
 
amtlich arabisch Al-Mạmlaka al-Arabijja as-Saudijja, deutsch Königreich Saudi-Arabien, Staat in Vorderasien, auf der Halbinsel Arabien, grenzt im Westen an das Rote Meer, im Norden an Jordanien, Irak und Kuwait, im Osten an den Persischen Golf, im Südosten an Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, im Süden an Oman und Jemen. Die Fläche beträgt 2,24 Mio. km2 (amtliche Angaben: 2,25 Mio. km2); (2000) 21,7 Mio. Einwohner. Hauptstadt ist Riad, Amtssprache Arabisch. Währung: 1 Saudi Riyal (S. Rl.) = 20 Qirshes = 100 Hallalas. Uhrzeit: 1400 Riad = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie ohne Parlament; eine geschriebene Verfassung existiert nicht. Am 1. 3. 1992 wurden drei Reformerlasse veröffentlicht, von denen das »Basic Law of Government« Grundzüge einer Verfassung (Fixierung individueller Eigentums- und Freiheitsrechte) trägt. Staatsoberhaupt, oberster Inhaber der Exekutive und Legislative sowie nominell geistliche Oberhaupt ist der König. Seine Machtposition basiert auf der Scharia; in der Praxis hat er die geistlichen Würdenträger (Rat der Schriftgelehrten; 18 Mitglieder) sowie die komplizierten inneren Machtstrukturen der Dynastie zu berücksichtigen. Er steht dem von ihm ernannten Ministerrat vor. Der Konsultativrat (Madjlis asch-Schura) mit 60 für vier Jahre vom König ernannten Mitgliedern ist eine mit beschränkten Vollmachten ausgestattete Volksvertretung.
 
Parteien:
 
Parteien und Gewerkschaften sind nicht zugelassen.
 
 
Das Wappen zeigt unterhalb einer Palme zwei gekreuzte Krummschwerter, die als Symbole der vereinigten Landesteile Hidjas und Nedjd gelten. Die Flagge enthält das muslimische Glaubensbekenntnis: »Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes«.
 
Nationalfeiertage:
 
23. 9. (Vereinigung der Landesteile und Gründung des Königreiches 1932).
 
 
Seit der Verwaltungsreform 1993 ist Saudi-Arabien in 13 Provinzen (ab 1994 zusätzlich in 103 Verwaltungsgebiete) gegliedert, an deren Spitze vom König ernannte Gouverneur stehen.
 
 
Das Recht folgt dem islamischen Recht der Scharia (hanbalitische Rechtsschule); andere gesetzliche Regelungen bestehen nur im Zivilrecht. Die Rechtsprechung wird von (rd. 250) Kadis wahrgenommen. Es gibt Kassationsgerichte in Riad und Mekka. Oberste Instanz ist der Großmufti. Die Todesstrafe wird verhängt bei Mord, Vergewaltigung, Sodomie, bewaffnetem Raub, Sabotage, Drogenhandel, Ehebruch sowie bei Glaubensdelikten.
 
 
Die Gesamtstärke der Freiwilligenarmee beträgt etwa 105 000 Mann (zukünftig 200 000), die des paramilitärischen Grenzschutzes rd. 10 000 Mann. Das Heer (rd. 70 000 Soldaten) gliedert sich in drei Panzer- und fünf mechanisierte Brigaden, je eine Infanterie- und Luftlandebrigade sowie das königliche Garderegiment. Die Luftwaffe hat rd. 18 000, die Marine rd. 13 000, die eigenständige Luftverteidigungseinheit rd. 4 000 Mann. Die Ausrüstung - nach dem 2. Golfkrieg 1991 stark modernisiert - umfasst im Wesentlichen etwa 1 000 Kampfpanzer, 300 Kampfflugzeuge, acht Fregatten und 69 Kleine Kampfschiffe. Unter direktem Kommando des Königs steht die Nationalgarde (rd. 77 000 Mann; in zwei mechanisierte und sechs Infanteriebrigaden sowie eine Ehrenschwadron gegliedert). - Saudi-Arabien verwendet etwa 30 % der Staatsausgaben für die Verteidigung.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Saudi-Arabien umfasst über 70 % der Fläche der Arabischen Halbinsel. Das im Westen von der Küstenebene Tihama am Roten Meer stellenweise bis maximal 2 900 m über dem Meeresspiegel (Dschebel Sauda) steil aufsteigende Randgebirge fällt nach Osten langsam zum innerarabischen Hochland, bestehend aus überwiegend kristallinen Hügelländern und jungen Lavadecken (Harras), ab. Im Zentrum liegt das Nord-Süd-streichende Arabische Schichtstufenland mit jurassischen Kalken und angelehnten Sanddünen, das im Osten in die flachwelligen Sand- und Schotterflächen des Arabischen Schelfs bis zur extrem flachen Ostküste übergeht. Schwer zugängliche Sandwüsten erstrecken sich im Norden (Nefud) und Südosten (Rub al-Chali; rd. ein Viertel des Staatsgebietes).
 
Klima und Vegetation:
 
Saudi-Arabien liegt im Zentrum des altweltlichen Trockengürtels. Weite Teile des sommerheißen Inneren bleiben oft jahrelang völlig niederschlagsfrei. Im Norden fallen die geringen Niederschläge (unter 100 mm jährlich) überwiegend im Winter, im Süden im Sommer. Dem sommerlich-schwülen Klima an den Küsten (Luftfeuchtigkeit bis 100 %, Temperatur bis 45 ºC) steht das heiße und trockene Landesinnere gegenüber. Gemäßigt warm und feucht (bis maximal 600 mm Niederschlag im Jahr) ist das Asirgebirge im Südwesten mit Baumvegetation und Regenfeldbau. Wüsten und Wüstensteppen nehmen 99 % der Staatsfläche ein; im Bereich der Trockentäler (Wadis) und an den Berghängen wird der schüttere Bewuchs von Kleintierherden genutzt und es können lokale Grundwasservorräte erschlossen werden. Perennierende Gewässer fehlen.
 
 
Die Einwohner sind infolge der wüstenhaften Landesnatur auf wenige städtische Zentren und kleine Gebiete mit gesicherter Wasserversorgung (Oasen) konzentriert. 72 % der Bevölkerung sind als Staatsangehörige Araber sesshafter und beduinischer Herkunft (daneben naturalisierte Migranten aus Süd- und Ostasien sowie ehemalige afrikanische Sklaven), die Übrigen sind Gastarbeiter aus arabischen Staaten (Ägypten, Palästina, Jemen) sowie Süd- und Ostasien. Sie leben zu 79 % in Städten (Riad, Djidda), traditioneller Nomadismus und Oasenlandwirtschaft sind praktisch erloschen. Durch die Wohlfahrts- und Versorgungskonzepte des Staates entstand eine für die Benutzer weitgehend kostenlose Bildungs- (Schulen, Universitäten) und Gesundheitsinfrastruktur (Trinkwasser, ärztliche Betreuung, moderne Krankenhäuser), daneben wurde eine Bau- und Gewerbegründungswelle angeregt. Die jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung gehört mit 3,7 % zu den höchsten der Welt (hohe Geburtenrate, Immigration); die Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren.
 
 
Der sunnitische Islam wahhabitischer Ausprägung, repräsentiert durch das Königshaus, bildet die Grundlage des Staatsverständnisses. Die Religionsausübung der in Saudi-Arabien lebenden Ausländer, die anderen Religionen angehören (Christen und Hindus), wird toleriert, ist jedoch ausschließlich auf Privaträume beschränkt. In Saudi-Arabien befinden sich die wichtigsten heiligen Stätten des Islam. Der König führt den Titel »Hüter der beiden heiligen Stätten« (Mekka und Medina). Alle saudischen Staatsbürger und die in Saudi-Arabien lebenden Araber bekennen sich zum Islam: rd. 97 % sind Sunniten der hanbalitischen Rechtsschule (überwiegend Wahhabiten), 3 % Schiiten (Imamiten und Saiditen).
 
 
Es besteht keine allgemeine Schulpflicht; der Unterricht ist unentgeltlich; getrennte Erziehung der Geschlechter, beginnend im 7. Lebensjahr; Unterrichtssprachen sind Arabisch und Englisch. Auf die sechsjährige Primarschule folgen eine dreijährige Sekundarschule sowie Ausbildungen in beruflichen Schulzentren. Die Analphabetenquote beträgt 26,6 %. Auf Hochschulebene gibt es höhere technische, landwirtschaftliche und Wirtschaftsschulen, eine Reihe spezieller Colleges für Frauen, sieben Universitäten, darunter zwei für islamische Studien (Riad, gegründet 1953, Medina, gegründet 1961).
 
 
Offiziell herrscht Pressefreiheit, die Presse befindet sich größtenteils in privater Hand. Von den insgesamt elf Tageszeitungen erscheinen sieben in Djidda (mit Auflagen zwischen 22 000 und 110 000), die auflagenstärkste (150 000) in Riad. Nachrichtenagenturen sind die »Saudi Press Agency« (Riad) und die »Islamic Press Agency« (Djidda). Der staatliche »Saudi Arabian Broadcasting Service« sendet täglich Hörfunkprogramme in 13 Sprachen, daneben existiert der englischsprachige Sender »Aramco Radio«. Die Fernsehgesellschaften »Saudi Arabian Government Television Service« (zwei Kanäle) und »Dhahran-HZ-22 TV« senden in Arabisch und Englisch.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Saudi-Arabien verfügt über 26 % der Welterdölvorräte und ist weltgrößter Erdölproduzent. Damit ist das OPEC-Gründungsmitglied der wohlhabendste arabische Flächenstaat. Von den Einnahmen aus den Erdölexporten werden 70 % des Staatshaushaltes finanziert (40 Mrd. US-$/Jahr). Mit dem Rückgang der Erdölpreise entwickelten sich allerdings die Devisenreserven und Haushaltsüberschüsse defizitär (rd. 90 Mrd. US-$ inländische Staatsverschuldung). Auch das Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner stagniert bei (1997) 7 460 US-$ (1980: 11 260 US-$).
 
 
Von kleinteiliger Oasen- und (im Asirgebirge) Terrassenlandwirtschaft hat sich die Produktion zu agroindustriellen Betrieben im Zentrum des Landes (Riad, Qassim, Hail) verlagert. Mit modernen Bewässerungsmethoden werden Getreide (4,9 Mio. t), Obst und Gemüse (3,3 Mio. t, davon 0,5 Mio. t Datteln) erzeugt; Milch- und Fleischproduktion (je 0,5 Mio. t). Nur noch 20 % der Erwerbstätigen (v. a. Gastarbeiter) sind in diesem Wirtschaftszweig beschäftigt (1980 noch 45 %); sie erwirtschaften 6,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Wertmäßig werden 80 % des Lebensmittelbedarfs aus heimischer Produktion gedeckt, trotzdem bleibt Saudi-Arabien der größte Lebensmittelimporteur (13 % der Gesamteinfuhren) der arabischen Welt. Problematisch ist die schnelle Erschöpfung der fossilen Grundwasserreserven durch die Landwirtschaft, auf die 94 % des Wasserverbrauches entfällt. Derzeit wird jährlich 1,6-mal mehr Wasser konsumiert als von Natur aus zur Verfügung steht. In 20 bis 30 Jahren könnten damit die Reserven erschöpft sein. Der forcierte Ausbau der mit Erdgas betriebenen Meerwasserentsalzungsanlagen an der Küste (Kapazität: 750 Mio. m3/Jahr) ist aufwendig.
 
 
Entlang der 2 250 km langen Küste fängt die staatliche Fischereigesellschaft 11 000 t Fisch, weitere 25 000 t werden importiert. Die Perlenfischerei am Persischen Golf ist praktisch erloschen.
 
 
Seit 1938 fördert Saudi-Arabien Erdöl in der Ostprovinz (zwischen Khafdji und Harrad) und ist heute mit 400 Mio. t/Jahr (1982 noch 495 Mio. t), davon 75 % für den Export, der weltweit wichtigste Produzent. Hier befinden sich die größten festländischen (Ghawar, westlich von Katar) und untermeerischen (Safanija, nahe Kuwait im Persischen Golf) Erdölfelder der Erde. Seit den 90er-Jahren werden auch Felder südlich von Riad (al-Hauta, 0,2 Mrd. t) und an der Grenze zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (Schaiba) erschlossen. Man schätzt, dass rd. 60 % der möglichen Vorräte bekannt sind. Bei Beibehaltung des jetzigen Förderrhythmus beträgt die Lebensdauer der bekannten Vorräte (35,3 Mrd. t) 88 Jahre (Weltdurchschnitt: 45 Jahre). Im Auftrag der Saudi Arabian Oil Company (alleiniger Konzessionsträger, seit 1980/88 vollständig saudisch) erbringen US-amerikanische Firmen (Exxon, Texaco, Chevron, Mobil) Dienstleistungen. Zwei weitere Unternehmen fördern seit 1953/60 im saudischen Teil der ehemaligen Neutralen Zone 10 Mio. t pro Jahr. Bei den Erdgasvorräten von 5 300 Mrd. m3 (= 3,7 % der Weltreserven) wird v. a. das mit dem Erdöl assoziierte »Feuchtgas« mit einer Gesamtförderung von 70 Mrd. m3 pro Jahr genutzt. 33 Mrd. m3 sind Energieträger für die Elektrizitäts- und Süßwassererzeugung und bilden den Rohstoff für die petrochemische Industrie, die die Großraffinerien in Ras Tanura, Djidda, Riad, Janbo, Jubail und Rabigh sowie die Anlagen in Jubail und Janbo umfasst. Die dortigen Betriebe der staatlichen Saudi-Arabian Basic Industries Corporation (SABIC) produzieren Chemikalien, Stickstoffdünger, Plastikrohstoffe, Industriegase und Rohstahl fast nur für den Export. Neben den Erdölfeldern des Ostens finden sich in den paläozoischen Gesteinen von Hidjas und Asir zahlreiche mineralische Lagerstätten mit Eisen- (Vorräte: 830 Mio. t) und Edelmetallerzen, die bislang lediglich in Mahd al-Dhahab (»Wiege des Goldes«) und Sukhaibarat abgebaut werden (5 t Gold, 14 t Silber, 900 t Kupfer pro Jahr). Die auf jordanischer Seite bereits im Abbau befindlichen Bauxitlager bei Hail (94 Mio. t) bedürfen der Erschließung. Im Nordwesten des Landes bei Ghurayyah befinden sich die größten bekannten Tantalvorkommen der Welt.
 
 
Die Versorgung mit Elektrizität ist flächendeckend (Produktionskapazität: 22 000 MW, Verbrauch pro Einwohner/Jahr: 30 000 Kwh).
 
 
Aufbauend auf billigster Energie (Erdgas) will Saudi-Arabien ein exportorientiertes Industrieland werden. Während das traditionelle Handwerk des Hidjas kaum noch vorhanden ist, beschäftigen die vom Staat durch Investitionshilfen geförderten modernen Industriebetriebe an den Küsten und in den Großstädten des Binnenlandes 9 % der Erwerbstätigen. Ausländer sind v. a. im Baugewerbe tätig. Die Nahrungsmittel-, Konsumgüter- sowie Baumaterialienindustrie (Zement) erwirtschaftet heute 6 % des BSP (daneben Bauwesen: 11 %, private Dienstleistungen: 22 %, staatliche Dienstleistungen: 18 %) und erzeugt 7 % der Exporte.
 
 
Obwohl fast 8 Mio. Menschen jährlich die Staatsgrenzen überschreiten und zusätzlich 1 Mio. muslimische Pilger nach Mekka und Medina kommen, erteilt Saudi-Arabien Touristen keine Einreisegenehmigung. Die heiligen Stätten Mekka und Medina sind Nichtmuslimen gänzlich verschlossen. Es gibt Bestrebungen, die Einreiserestriktionen abzubauen.
 
 
Durch die Exporterlöse aus dem Erdöl (1997: 56 Mrd. US-$, davon 93 % aus Rohöl und -produkten) erwirtschaftete Saudi-Arabien einen Exportüberschuss von 29 Mrd. US-$, der jedoch durch Zahlungen für Dienstleistungen (Gastarbeiterüberweisungen: 20 Mrd. US-$) und weitere Transfers (u. a. an die USA [2. Golfkrieg]) aufgezehrt wird. Aus seinen internationalen Kapitalanlagen von rd. 60 Mrd. US-$ (1984: 121 Mrd. US-$) erhält Saudi-Arabien noch Erträge von 5 Mrd. US-$. Die Auslandsschulden sind getilgt. Im Außenhandel bestehen Export- und Importbeziehungen v. a. mit den USA (21 %/23 %), Ostasien (43 %/24 %, v. a. Japan) und zur EU (27 %/41 %), daneben wird die Raffinerie in Sitra (Bahrain) mit Erdöl versorgt. Die großzügige Finanzhilfe v. a. an islamischen Entwicklungsländer ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen.
 
Verkehr:
 
Die Eisenbahnlinie Dammam-Riad über Harrad (seit 1953; 571 km, abkürzende Neubaustrecke seit 1985 mit insgesamt 462 km) dient dem Güter- und Personenverkehr. Der Wiederaufbau der Hidjasbahn Amman-Medina ist derzeit nicht aktuell. Es existiert ein Netz von 43 000 km asphaltierten Straßen (davon 4 000 km Autobahnen, darunter die von Dammam nach Djidda mit Abzweigungen nach Medina und Buraida) und 96 000 km Pisten. Straßengrenzübergänge gibt es zu allen Nachbarländern außer Oman (Irak: geschlossen), u. a. mit dem 25 km langen Brückenbauwerk (eröffnet 1986) nach Bahrain. Dem Schiffsverkehr dienen die internationalen Häfen von Djidda, Dammam und Djizan sowie die Industriehäfen (Petrochemie und Erdölverladung) von Jubail und Janbo. Ausschließlich Rohöl wird in Ras Tanura und Ras al-Khafdji verladen. Rückgrat des Energieexports sind die Rohrleitungen, insbesondere die 1 200 km lange strategische Petroline (Rohöl und Erdgas; seit 1982) von Dhahran nach Janbo mit Abzweig zur Raffinerie Riad und - seit 1990 stillliegend - zum irakischen Netz. Die 1 707 km lange Transarabian Pipeline (erbaut 1947-50) ist seit 1990 endgültig außer Betrieb. Ein Großteil des internationalen und nationalen Personenverkehrs wird über die 25 Flughäfen (davon international: Ddjidda, Riad und Dhahran/Dammam) abgewickelt, zur Hälfte von der nationalen Saudia Fluggesellschaft.
 
 
Bis zum 18. Jahrhundert Arabische Halbinsel. - In enger Verbindung mit der islamischen Reformbewegung der Wahhabiten schufen Mohammed Ibn Saud (✝ 1765) und sein Sohn Abd al-Asis I. (✝ 1803) im Innern der Arabischen Halbinsel einen Staat (Hauptstadt seit 1821: Riad), der zeitweilig über sein Ursprungsgebiet, die Landschaft Nedjd, hinausreichte. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verlor die Dynastie Saud (Sauditen) jedoch ihr Herrschaftsgebiet im Kampf mit rivalisierenden Clans (1880 Vertreibung aus dem Nedjd; danach im Exil am Hof des Scheichs von Kuwait). 1902 eroberte (Abd al-Asis III.) Ibn Saud Riad von den Schammar zurück und baute - zunächst in Abhängigkeit vom Osmanischen Reich - sein Herrschaftsgebiet als Emir des Nedjd und Imam der Wahhabiten auf der Arabischen Halbinsel aus (1913 Annexion des Gebiets von Hasa; 1915 Anerkennung der Unabhängigkeit durch Großbritannien). Nach Eroberung des Emirats Hail der Schammar (1921/22) und des Königreichs Hidjas (1924, Besetzung von Mekka) ließ er sich 1926 zum König ausrufen (1927 von Großbritannien anerkannt) und proklamierte am 23. 9. 1932 das Königreich Saudi-Arabien. Zur äußeren Absicherung schloss der neue Staat Freundschaftsverträge mit Transjordanien (1933), Jemen (1934, erneuert 1937; u. a. vertragliche Regelung der Zugehörigkeit von Asir), Irak (1936) und Ägypten (1936). Ibn Saud und seine Nachfolger, die sich in ihrem Herrschertitel als »Hüter der beiden heiligen Stätten« bekennen, suchen eine vom Islam geprägte Staats- und Gesellschaftsordnung mit einer intensiven Modernisierung der ökonomischen Infrastruktur zu verbinden. Der Herrscher und seine weit verzweigte Familie bestimmen die politische Entwicklung. Die wachsende Ausbeutung der Erdölvorkommen machte das Land zu einem der reichsten Länder im Nahen Osten. Durch die Vergabe von Erdölförderkonzessionen (1933) an die Standard Oil Company of California, die spätere Arabian American Oil Company (Abkürzung ARAMCO), erzielten die Herrscher hohe Gewinne, die auch dem Staatshaushalt zugute kamen (v. a. Ausbau des Verkehrs- und Schulwesens, Bewässerungssystem). Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs trat Saudi-Arabien an der Seite der Alliierten in den Krieg gegen Deutschland (28. 2. 1945) und Japan (1. 3. 1945) ein. Es beteiligte sich an der Gründung der Arabischen Liga. Im 1. arabisch-israelischen Krieg (Palästinakrieg, 1948-49) blieb Saudi-Arabien neutral.
 
Nach dem Tod von Ibn Saud bestieg dessen Sohn Saud (Ibn Abd al-Asis; * 1902, ✝ 1969) 1953 den Thron. Mit seinem aufwendigen Lebensstil geriet er innenpolitisch in Rivalität zu seinem Bruder, Kronprinz Feisal (Ibn Abd al-Asis Ibn Saud), der ihn ab 1962 politisch immer stärker in den Hintergrund drängte und schließlich entmachtete (1964-65). Als König öffnete Feisal Saudi-Arabien dem westlichen Lebensstil (enge Kooperation mit den USA), ohne die autokratische Herrschaftsform zu lockern, und vollzog (v. a. im jemenitischen Bürgerkrieg noch Gegner G. Abd el-Nassers) nach dem Sechstagekrieg (Juni 1967) eine Annäherung an Ägypten (Vertrag von Khartum, August 1967; Ausgleich der unterschiedlichen Interessen im jemenitischen Bürgerkrieg). Danach reihte sich Saudi-Arabien stärker in den Kampf der arabischen Staaten gegen Israel ein, u. a. Beteiligung am Jom-Kippur-Krieg gegen Israel (Oktober 1973). Wirtschaftspolitisch bemühte sich der Staat, immer größere Anteile an der ARAMCO zu gewinnen (bis zu deren gänzlicher Übernahme, 1980). Zusammen mit den anderen Erdöl fördernden arabischen Staaten setzte Saudi-Arabien den Erdölexport als Waffe gegen die als israelfreundlich geltenden Staaten Europas und die USA ein, ging aber seit Mitte der 70er-Jahre im Rahmen der OPEC zu einer gemäßigten Preispolitik über.
 
Nach der Ermordung Feisals (1975) stieg Saudi-Arabien unter Chalid (Ibn Abd al-Asis Ibn Saud) zu einer der finanzstärksten Mächte der Welt auf und konnte seinen internationalen Einfluss, v. a. im arabischen Raum, steigern. Im Nahostkonflikt lehnte es zwar den ägyptisch-israelischen Friedensvertrag ab (1979; Camp David), suchte aber selbst nach Möglichkeiten, den Konflikt zu lösen: 1981 legte Kronprinz Fahd einen Friedensplan vor. Infolge der fundamentalistisch-islamischen Revolution in Iran (1979) sah sich die Dynastie von radikalen schiitischen Gruppen bedroht (u. a. durch die Besetzung der großen Moschee in Mekka durch militante schiitische Pilger, November/Dezember 1979). Um sich außenpolitisch gegen Umsturzgefahren abzusichern, gründete Saudi-Arabien mit anderen arabischen Staaten 1981 den Golfrat.
 
Unter König Fahd (Ibn Abd al-Asis; seit 1982) unterstützte Saudi-Arabien, das seit Beginn der 80er-Jahre Rüstungsgüter v. a. aus Frankreich, Großbritannien und den USA erhält, Irak im 1. Golfkrieg (1980-88) gegen Iran. Im Juli 1987 und 1988 kam es, ausgelöst durch iranische Pilger, während der Wallfahrten in Mekka zu schweren Unruhen und zu erhöhten Spannungen mit Iran. 1988 erklärte sich Saudi-Arabien bereit, den Kernwaffensperrvertrag zu unterzeichnen.
 
Nach der Besetzung Kuwaits durch den Irak am 2. 8. 1990 wurde Saudi-Arabien zum Aufmarschgebiet einer multinationalen Streitmacht und ließ damit zum ersten Mal fremde, auch nichtislamische Truppen ins Land; im 2. Golfkrieg 1991 war es arabischer Hauptgegner Iraks. Danach wurde die Armee rasch vergrößert. Politische Reformforderungen kam König Fahd nur begrenzt entgegen (u. a. ab 28. 12. 1993 Konsultativrat). Angesichts der verstärkten Ausrichtung der Außenpolitik (seit 1991) auf die USA sieht sich das saudische Herrscherhaus innenpolitisch mit einer fundamentalistisch-islamischen Opposition konfrontiert, die die amerikanische Militärpräsenz als Besatzung im »geheiligten Ursprungsland des Islam« betrachtet und im Extremfall daraus die Notwendigkeit eines »Djihads« ableitet wie der aus Saudi-Arabien stammende O. Bin Laden, der mit dieser Zielrichtung ein weltweites Netz von Terrorzellen aufbaute. - 1995 kam es zu Grenzstreitigkeiten zwischen Saudi-Arabien und Jemen um erdölreiche Gebiete (Asir); 1997 bemühte sich das Herrscherhaus erfolgreich um eine Verbesserung der Beziehungen zu Iran.
 
Im Zusammenhang mit dem Attentat vom 11. 9. 2001, das dem Umkreis von Bin Laden zugerechnet wird, geriet das Land in den Ruf, als Rückzugs- und Rekrutionsgebiet seiner terroristischen Organisation »al-Qaeda« zu dienen. Als eines der ersten Länder hatte Saudi-Arabien am 25. 9. 2001, noch vor Ausbruch des Antiterrorkriegs unter Führung der USA, seine Beziehungen zu dem Taliban-Regime in Afghanistan abgebrochen. Am 25. 2. 2002 trat der saudische Kronprinz Abdallah mit einem Friedensplan hervor, demzufolge Israel sich hinter die Grenzen von 1967 zurückziehen und im Gegenzug von den arabischen Ländern diplomatisch anerkannt werden und Sicherheitsgarantien erhalten sollte. Obwohl die Arabische Liga im März 2002 den »Abdallah-Plan« akzeptierte und er in Teilen der israelischen Regierung auf ein positives Echo stieß, scheiterte er aber letztlich.
 
 
S.-A. Natur, Gesch., Mensch u. Wirtschaft, hg. v. H. Blume (1976);
 H.-J. Philipp: Saudi Arabia. Bibliography on society, politics, economics, 2 Bde. (München 1984-89);
 
Urban and rural profiles in Saudi Arabia, hg. v. K. M. Al-Ankary u. El-S. El-Bushra (1989);
 G. Heck u. M. Wöbcke: Arab. Halbinsel (Neuausg. 1996);
 U. Pfullmann: Polit. Strategien Ibn Sa'ūds beim Aufbau des dritten saud. Staates (1996);
 U. Pfullmann: Thronfolge in S.-A. Wahhabit. Familienpolitik von 1744 bis 1953 (1997).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Arabische Halbinsel: Die arabische Frage und das Osmanische Reich
 
Erdöl: Das Ölzeitalter im Nahen und Mittleren Osten
 

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Sau|di-Ara|bi|en; -s: Staat auf der Arabischen Halbinsel.

Universal-Lexikon. 2012.

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